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Warum Treffer kein Beweis sind
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Warum Treffer kein Beweis sind

Gedanke  ·   ·  von Justin Jernoiu

Das ist der Satz, mit dem ich mir die meisten Klienten vergraule, und ich sage ihn trotzdem.

Wenn ich einem Menschen erzähle, was ich gesehen habe, und er wird blass, weil es genau stimmt, dann ist das für ihn ein Beweis. Für mich nicht. Und das liegt nicht an Bescheidenheit, sondern daran, wie ein Beweis funktioniert.

Drei Gründe, warum ein Treffer nichts beweist

Erstens: Niemand zählt die Fehlschläge mit

Das ist der stärkste Einwand, und ich halte ihn für unwiderlegbar.

In einer Sitzung kommen viele Bilder. Eine Szene, ein Gesicht, ein Gegenstand, eine Stimmung, ein Ort. Einiges davon rastet beim Klienten sofort ein. Anderes sagt ihm nichts.

Was bleibt hängen? Das, was gestimmt hat. Der Rest verschwindet aus der Erinnerung, bei ihm und bei mir. Am Abend erzählt er von den drei Dingen, die passten, nicht von den sieben, die nicht passten. Nicht aus Unehrlichkeit, sondern weil Menschen so funktionieren.

Ich führe keine Statistik. Ich könnte es auch gar nicht, denn was nicht passt, bemerke ich oft nicht einmal.

Zweitens: Vieles passt auf viele

Wenn ich sage, da liegt etwas um dein Herz, das keine Nähe hineinlässt, dann trifft das auf erstaunlich viele Menschen zu. Es klingt nach dir, weil es nach fast jedem klingt.

Ich bemühe mich um das Gegenteil und erzähle lieber eine Werkstatt, von der ich weiß, wie sie riecht, oder einen Tunnel, in dem fünf Zentimeter Wasser stehen. Aber ich kann nicht ausschließen, dass unter meinen Bildern auch solche sind, die auf jeden passen würden.

Drittens: Der Mensch vor mir liefert mit

Du liegst vor mir. Du atmest. Du zuckst, wenn ein Satz trifft. Du wirst still, wenn er danebengeht.

Ich arbeite mit geschlossenen Augen und im MIORI-Zustand, in dem alles von mir beiseitegeschoben ist. Aber zu behaupten, ich bekäme davon gar nichts mit, wäre eine Behauptung, die ich nicht belegen kann. Über Körpersprache und geführte Fantasie habe ich eine eigene Seite geschrieben.

Und der Moment, in dem mir trotzdem kalt wird

Jetzt wird es widersprüchlich, und ich lasse den Widerspruch stehen.

Bei meinem ersten veröffentlichten Bericht sah ich eine eiskalte blaue Glocke um das Herz eines Mannes. Ich hatte so etwas nie zuvor gesehen und wusste nicht, was es bedeutet. Hinterher erzählte er von einer Beziehung, die zurücklag, und davon, dass er seitdem bei niemandem mehr etwas fühlt.

Ich wusste nichts von dieser Beziehung. Das Bild kam, bevor er irgendetwas gesagt hatte.

Für mich war das ein starker Augenblick. Ein Beweis war es nicht. Vielleicht war es Zufall. Vielleicht ist das Bild allgemein genug, dass es auf viele passt. Vielleicht habe ich etwas an ihm gelesen, ohne es zu merken.

Ich kann es nicht entscheiden. Ich kann nur sagen, dass ich es erlebt habe.

Was für mich daraus folgt

Dreierlei, und das ist mein ganzes Arbeitsprinzip.

Ich sammle keine Treffer. Du findest auf dieser Webseite keine Zählung erfüllter Vorhersagen und keine Trefferquote. Beides wäre leicht zu behaupten und nichts wert.

Ich erzähle auch die Sitzungen, in denen wenig kam. Manchmal komm sehr wenig , und dann sage ich das, statt die Lücke zu füllen.

Ich deute nicht. Ich erzähle dir, was ich gesehen habe, und die Verbindung zu deinem Leben stellst du her. Würde ich deuten, baute ich mir meine Treffer selbst.

Warum ich dir das überhaupt schreibe

Weil die ehrliche Fassung auf Dauer besser trägt als die beeindruckende.

Wer mit Trefferquoten wirbt, muss sie halten. Wer sagt, dass er nichts beweisen kann, muss nur ehrlich bleiben. Das ist leichter, und es ist das Einzige, was ich wirklich zusichern kann.

Ich habe Physik studiert, und dieser Teil von mir verschwindet nicht, nur weil ich Bilder sehe. Er sitzt nach jeder Sitzung mit am Tisch und fragt, ob das alles so stimmt.

Wenn dich das abschreckt, bist du bei mir falsch. Wenn es dich beruhigt, sind wir uns schon nähergekommen, als mir ein Dutzend Treffer je gebracht hätten.

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