
Gedanke · · von Justin Jernoiu
Über die Grenzen dieser Arbeit wird selten geschrieben. Verständlich, denn Grenzen verkaufen sich schlecht.
Ich halte es trotzdem für den wichtigsten Text auf dieser Seite. Wer vorher weiß, was er nicht bekommt, ist hinterher nicht enttäuscht. Und ich muss niemandem etwas ausreden, das er sich auf der Fahrt zu mir ausgemalt hat.
Ein Satz vorweg, der für alles hier gilt: Ich spreche nur für mich. Mag sein, dass andere Menschen das können, was ich gleich aufzähle. Ich kann es nicht, und über das, was ich nicht kenne, urteile ich nicht.
Keine Lottozahlen
Die Frage kommt öfter, als du denkst, meistens als Scherz und manchmal nicht.
Zahlen kommen bei mir nicht. Keine Lottozahlen, keine Kurse, keine Gewinnquoten. Ich bekomme Bilder, Szenen, manchmal eine Stimmung dazu, und in keiner dieser Szenen stand je eine Zahlenreihe.
Das ist keine Haltung, die ich mir aus moralischen Gründen zurechtgelegt habe. Es geschieht schlicht nicht. Und wenn ich ehrlich bin: Könnte ich es, säße ich vermutlich nicht hier und würde darüber schreiben.
Keine Diagnosen
Hier wird es ernst, deshalb sage ich es so deutlich, wie ich kann.
Ich bin weder Arzt noch Heilpraktiker. Ich stelle keine Diagnosen und ich gebe keine Heilversprechen. Was ich tue, ersetzt keine Untersuchung und keine Behandlung.
Ich sehe manchmal etwas am Körper, das nicht stimmig wirkt. Eine Stelle, an der etwas stockt. Bei einem Klienten lag eine eiskalte Glocke um sein Herz. Das war kein Herzleiden. Das war ein Bild für etwas, das er selbst sofort wiedererkannt hat.
Wenn ich so etwas sehe, erzähle ich es dir, denn ich lasse nichts weg. Aber ich sage dir nicht, was dir fehlt, ich sage dir nicht, dass etwas geheilt ist, und ich rate dir nie, etwas abzusetzen oder einen Termin abzusagen. Wenn dich ein Bild von mir beunruhigt, gehört es zum Arzt und nicht zu mir.
Keine vermissten Personen, keine Verbrechen
Auch das werde ich gefragt, und es ist die Frage, bei der ich am schnellsten Nein sage.
So etwas braucht ein überprüfbares Ergebnis: einen Ort, einen Namen, eine Richtung, der jemand nachgehen kann. Was ich bekomme, ist nicht von dieser Art. Es sind Szenen, die sich dem Leben eines Menschen zuordnen lassen, nicht Koordinaten.
Und hier wiegt ein Irrtum anders als sonst. Wenn ich mich bei einem Bild aus einem früheren Leben täusche, haben wir beide etwas gelernt. Wenn sich jemand bei einer Vermisstensuche täuscht, kostet das eine Familie Hoffnung, Zeit und manchmal mehr. Davon lasse ich die Finger.
Nichts auf Bestellung
Ich kann in einer Szene Fragen stellen. Das ist einer der erstaunlichsten Teile meiner Arbeit, und ich habe davon erzählt: Ich habe einen römischen Soldaten nach seinem Namen gefragt und eine Antwort bekommen.
Was ich nicht kann, ist bestellen.
Ich kann nicht festlegen, in welches Leben wir gehen. Ich kann keine Jahreszahl anfordern, keinen Ortsnamen, nichts, was du anschließend in einem Archiv nachschlagen und abhaken könntest. Ich bekomme, was kommt, und ich sehe immer nur das, was deine Seele zeigen will.
Wer zu mir kommt, um einen Beweis mitzunehmen, geht deshalb meistens ohne ihn wieder nach Hause. Und manchmal kommt auch gar nichts.
Keine Termine in der Zukunft
Ich sehe Mögliches, keine Verabredungen.
Wenn mir etwas aus der Zukunft begegnet, fehlt fast immer das Datum. Ich kann höchstens aus dem Bild selbst schließen, ob es bald oder später liegt, etwa weil ein Mensch darin älter aussieht als heute. Das ist alles.
Auf die Frage, wann jemand seinen Partner trifft, wann sich eine Sache entscheidet oder wie lange etwas noch dauert, habe ich deshalb selten eine Antwort. Wer dir hier ein Datum nennt, weiß mehr als ich.
Und das Wichtigste: Ich kann dir nicht sagen, was es bedeutet
Das ist die Grenze, die mich am meisten kostet, denn genau danach wird am häufigsten gefragt.
Ich erzähle dir, was ich gesehen habe. Die Verbindung zu deinem Leben kannst nur du herstellen, weil nur du dein Leben kennst. Würde ich deuten, legte ich meine Vermutung über deine Wahrheit, und du würdest sie mir womöglich glauben.
Ich bin die Brücke, nicht der Deuter.
Warum ich das aufschreibe
Weil die Liste dessen, was ich nicht kann, mehr über diese Arbeit sagt als jede Aufzählung dessen, was ich kann.
Wer alles verspricht, liefert am Ende etwas anderes. Meistens eine schöne, runde Antwort, die auf viele Menschen passt. Ich habe keine Lust darauf, und du sollst sie auch nicht bekommen.
Was bleibt, ist schmaler, als manche hoffen: ein Blick von außen auf dein Leben, Bilder, die ich nicht steuere, und ein Mensch, der dir sagt, wenn er etwas nicht weiß. Mehr biete ich nicht an. Weniger aber auch nicht.
Was dabei tatsächlich geschieht, steht unter Was ist Hellsichtigkeit und auf der Seite über die HELLKI-Sitzung. Und wenn du wissen willst, ob das zu deiner Frage passt, klären wir genau das am besten vorher im Telefongespräch.
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