
Erfahrungsbericht #3, ständiger innerer Kampf
Zwanzig Minuten Reise, danach eine halbe Stunde Gespräch. Dies ist der Bericht, der mir am schwersten fiel.
Was ich sah: zwei Kräfte
Er kämpfte. Nicht gegen jemanden - gegen sich. Eine helle und eine dunkle Seite prallten in ihm aufeinander, beide mit voller Kraft, keine bereit nachzugeben.
Und dann kam ein Bild, das ich lieber nicht gesehen hätte: ein Mensch, der verbrannt wurde. Ich weiß nicht, ob er es war oder ob er zusehen musste. Ich weiß nur, was ich dabei fühlte - Schmerz und eine Zerrissenheit, die diese Seele damals durchleben musste.
Das ist keine Metapher, die ich mir für einen schönen Text ausgedacht habe. Das ist, was kam.
Die Gegenwart: derselbe Kampf
Zurück im Heute war der Kampf nicht vorbei. Er tobt weiter, jeden Tag, unvermindert. Zwischen Licht und Dunkelheit gefangen, ein Kräftemessen ohne Sieger.
Das bestimmt, wie er die Welt sieht und wie er Menschen begegnet. Es kostet ihn unglaublich viel Kraft. Aber - und das habe ich ihm auch gesagt - es hat ihn zugleich zäh gemacht. Wer täglich mit sich ringt, bricht nicht so leicht.
Die Zukunft: unter dem Operationstisch
Dann eine Szene, die mich beunruhigt hat. Eine Operation. Und unter dem Tisch kämpfte seine Seele weiter, dieselben zwei Kräfte, dasselbe Ringen.
Ich lese das so: Dieser Konflikt begleitet ihn bis in späte Lebensphasen, wenn er keinen Weg findet, ihn zu befrieden.
Deshalb ging es in unserem Gespräch danach nicht darum, wer gewinnt. Sondern darum, ob eine Spaltung, die so alt ist, überhaupt einen Sieger braucht - oder ob sie sich verwandeln lässt.
Warum ich das erzähle
Weil ich lange überlegt habe, ob ich es überhaupt veröffentliche. Ein verbrannter Mensch ist kein Bild, mit dem man wirbt.
Aber genau deshalb steht es hier. Wer wissen will, was bei mir geschieht, soll auch das Unbequeme sehen und nicht nur die schönen Aufzeichnungen. Was ich wahrnehme, suche ich mir nicht aus - und ich verschweige dir hinterher nichts.
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Zuletzt überarbeitet am von Justin Jernoiu
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